Lärm, Staub und Vibration – das ist die Welt von Klaus Stieger. Er arbeitet als Fachingenieur für Arbeitssicherheit/Ergonomie bei der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG). Von ihm kann man lernen, warum Gehörschutz und Schutzbrille wichtig sind - vor Ort klärt er über mögliche Arbeitsrisiken und Langzeitschäden auf.
Die Messung in geschlossenen Kabinen wir in der Nähe des Ohres vorgenommen.
Beschreibung Messung in Kabine
Messung sind das tägliche Brot von Klaus Stieger: „Gemessen wird alles, was auf den Arbeitnehmer aus der Umwelt am Arbeitsplatz einwirkt. Staub, Lärm, chemische Schadstoffe, Beleuchtung und Schwingung“. Heute hat Klaus Stieger ein kugelrundes Mikrophon dabei, das mit einer Maßeinheit samt Display verbunden ist. Der Fachmann braucht die Ausrüstung für eine „ortsbezogene Lärm-Emissions-Messung“ auf einem Absetzer im Tagebau Profen. Vor Ort angekommen, nimmt er nacheinander alle „Lärmquellen“ am Absetzer unter die Lupe.
Aus dieser Messung ziehen die Experten der Arbeitssicherheit zwei Schlüsse: Erstens wissen sie so, welchem Lärmpegel welche Arbeitskraft ausgesetzt ist. Danach richtet sich der Gehörschutz, der für den jeweiligen Arbeitsplatz empfohlen wird. Außerdem können die Experten durch die Werte, die sie vor Ort messen, auf den Pegel schließen, der in den angrenzenden Wohnorten ankommen könnte. Das ist eine wichtige Information für die Lärmkarte, die immer wieder neu erstellt werden muss.
Vor Ort misst Klaus Stieger die Vibration
Erklärung Vibrationsmessung
Dauerhafte Vibration = bleibende Rückenschäden
Wenn Klaus Stieger schon mal vor Ort auf einem Absetzer ist, nutzt er die Gelegenheit, um auch eine weitere Messung vorzunehmen, die man so gar nicht vermuten würde: eine sogenannte Ganzkörper-Schwingungsmessung. Hierbei wird ein Kissen mit integrierten Schwingungsaufnehmern, das mit einem Messgerät verbunden ist auf den Sitz des Fahrers gelegt. Das Gerät misst die Vibration, die vom Fahrzeug auf den Fahrer übergeht. Wenn die andauernde Vibration nicht richtig gedämpft wird, kann es zu Schädigungen der Bandscheiben und der Wirbelsäule kommen. „Die Messung ist demnach für die Gesundheitsüberwachung der Mitarbeiter wichtig“, sagt Klaus Stieger. „Dauerhafte Rückenschmerzen oder -schäden können dazu führen, dass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Für den Arbeitnehmer heißt das, er kann nicht mehr gemäß seiner Qualifikation eingesetzt werden.“
Immer mit Brille – hier bei einer Staubmessung
Anfangs Probleme mit Brillentragepflicht
Erfolgsgeschichte Brillentragepflicht
Mit der Privatisierung der MIBRAG nach der politischen Wende in Deutschland und der Übernahme durch amerikanische und britische Investoren gab es eine deutliche Reduzierung der Unfälle. Neue, bestimmte Maßnahmen wurden eingeführt. Zum Beispiel die generelle Pflicht, auf dem Werksgelände durchgehend eine Schutzbrille zu tragen. Diese Pflicht gab es so in den anderen Braunkohle verarbeitenden Unternehmen nicht.
Für viele war die Brillentragepflicht anfangs nicht leicht zu akzeptieren, wie Klaus Stieger zu berichten weiß: „Am Anfang als wir es hier eingeführt haben, war es für mich auch völlig neu. Aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell dran und heute ist es selbstverständlich. So wie man den Helm aufsetzt und die Arbeitsschuhe anzieht, zieht man jetzt eben auch die Schutzbrille auf. Das bürgert sich mit der Zeit einfach ein.“
Auch die Fremdfirmen – also Firmen, die nicht zur MIBRAG gehören aber auf deren Gelände tätig sind – müssen die hohen Arbeitsschutzmaßnahmen erfüllen. Denjenigen, die sich über die Pflicht, eine Brille zu tragen mokieren, hält Klaus Stieger die eindeutige Erfolgsbilanz dieser Maßnahme entgegen: „Vor der Einführung hatten wir etwa 62 Unfälle mit Augenverletzungen pro Jahr jetzt sind wir bei zwei bis drei in einem Jahr. Das ist eine sehr, sehr deutliche Reduzierung“, berichtet Klaus Stieger schmunzelnd.
(Stand: Dezember 2010)
Die Brillentragepflicht gilt fast überall
Vita:
Klaus Stieger ist in Lucka im Dreiländerdreieck zwischen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt groß geworden. Im Braunkohlenwerk in Deutzen hat er die Lehre als Schlosser für Anlagen und Geräte aufgenommen. Nach dieser Ausbildung und seiner Armeezeit hat er bis 1979 als Rohrleitungsschlosser gearbeitet. Parallel legte er seinen Meister ab. Danach wechselte er in die Wissenschaftliche Arbeitsorganisation, Arbeitsnormung und Arbeitsstudienwesen. Dort war es bis 1984 tätig. Ab 1985 wechselte er in das Fachgebiet Ergonomie und erwarb er alle relevanten Mess-Befähigungen. Nach der Wende machte er eine Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft; seither bildet er sich ständig zu den Messbefähigungen fort.