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Menschen in der Braunkohle

Von der Lehrwerkstatt auf den Bagger 
Alexander Treber macht eine Lehre als Elektroniker bei der MIBRAG mbH im Mitteldeutschen Revier
Er muss früh raus. Meistens beginnt der Tag für Alexander Treber so gegen halb fünf - da schlafen die meisten noch fest. Dafür lernt der 22jährige momentan auf einer der größten Maschinen der Welt: auf einem Schaufelradbagger. Hier einen Teil der Ausbildung zu machen, ist schon etwas Besonderes.

Ein „Jungen-Traum“ für Männer 
Bernhard Mainka ist Baggerführer im rheinischen Braunkohlerevier
Sein Arbeitsplatz ist 96 Meter hoch, 225 Meter lang und wiegt fast soviel wie 15.000 VW-Käfer zusammen. Bernhard Mainka, genannt „Bobby“, arbeitet im Tagebau Hambach auf dem größten Bagger der Welt für RWE Power. 13.500 Tonnen mit einer Hand bewegen - Bernhard Mainka kann’s. Wer jedoch denkt, dass der Mann aus Schlesien deshalb nur mit grober Mechanik zu tun hat, liegt falsch.

Lausitzer Braunkohle gewinnen 
Doris Wüstenhagen ist verantwortlich für eine Vielzahl von organisatorischen Abläufen in der Rekultivierung im Lausitzer Braunkohlerevier
Im Vorfeld fängt ihre Arbeit an. Sind die Flächen für den bergmännischen Prozess hergestellt, gilt ihre Aufmerksamkeit dem „Neuland“ das landläufig als Kippe bezeichnet wird. Im Lausitzer Revier wird der Abraum über eine beeindruckend große Förderbrücke von einer Seite des Tagebaus auf die andere „verkippt“. Daher das Wort. Viele Menschen bezeichnen aber auch einfach die neue rekultivierte Landschaft, als „Kippe“. Aber die, so weiß Doris Wüstenhagen, entsteht erst nach und nach.

Sozialarbeiterin mit technischem Studium 
Elisabeth Mayers-Beecks ist verantwortlich für die Umsiedlungen im rheinischen Braunkohlerevier
Ihr Beruf spielt sich zwischen zwei Extremen ab: auf der einen Seite leer stehende Häuser, zugezogene Rollläden und zerworfene Fensterscheiben, auf der anderen Seite neu wachsende Siedlungen, feiernde Schützenvereine und Richtfeste. Elisabeth Mayers-Beecks, die im rheinischen Braunkohlerevier die Umsiedlung von ganzen Dörfern organisiert, erlebt in ihrem Beruf täglich beides: Zerstörung und Neuaufbau.

Wir sind was Eigenes 
Heinz Frellstedt war der Geschäftsführer Technik der ROMONTA GmbH, die Wachs aus Braunkohle gewinnt
Denkt man an deutsche Braunkohle denkt man an Strom. Aber: Kohle ist mehr als Strom. Im Mitteldeutschen Revier gibt es bereits seit Jahrzehnten eine kleine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Und die beruht vor allem auf einer ganz besonderen Kohle, die aus einer einzigartigen Lagerstätte stammt.

Nur Kiefer allein ist langweilig 
Olaf Hanspach ist Revierförster in der Lausitz beim Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG 
Olaf Hanspach sieht so aus, wie man sich einen traditionellen Förster vorstellt: gebräunte Haut, buschiger Schnäutzer und grüne Filzmütze auf dem Kopf. Seine Aufgaben und Methoden allerdings sind von heute. So versucht der 46jährige auf den rekultivierten Flächen in der Lausitz, von der jahrzehntelangen Monokultur Kiefer wegzukommen.

Zwischen Anzug und Latzhose 
Robert Mittmann ist Bergbau-Trainee im rheinischen Revier bei der RWE Power
Bis vor kurzem hat Robert Mittmann noch in Clausthal - Zellerfeld studiert. Jetzt sitzt er mit Latzhose am Schreibtisch und bereitet als Schichtleiter den Einsatz eines Schaufelradbaggers im Braunkohletagebau Inden vor. Der studierte Wirtschaftsingenieur der Fachrichtung Rohstoffe & Energie absolviert ein 15-monatiges Trainee-Programm. Bereits seit seinem zweiten Monat im Tagebau wird er als betrieblich verantwortliche Aufsicht eingesetzt.

Umsiedlung als Chance 
Sabine Meinhardt war Bürgermeisterin des Ortes Großgrimma, der vorzeitig und freiwillig umgesiedelt wurde
Die Geschichte von Sabine Meinhardt ist erstaunlich. Sie war Bürgermeisterin einer Gemeinde im mitteldeutschen Revier, die wegen des näher kommenden Tagebaus Profen umgesiedelt werden sollte. Nun würde man erwarten, dass Sabine Meinhardt sich gegen die Umsiedlung einsetzte, um ihren Ort wie auch ihren Posten als Bürgermeisterin zu erhalten. Sie entschied sich jedoch anders, „gerade um die Gemeinde Großgrimma zu retten“, wie sie sagt.

Ein umgesiedelter Obstbauer 
Thomas Scheufen führt einen umgesiedelten Obstbaubetrieb
Bienen schwirren um blühende Obstbäume, ein alter Trecker ruht in der Sonne, der Hofhund läuft schwanzwedelnd umher – der Buschhof der Familie Scheufen vor den Toren Hochneukirchs ist ein Idyll. Aber die Familie lebt nicht, wie man vermuten könnte, bereits seit Jahrzenten hier. Erst im Herbst 2003 ist die Familie und der Betrieb hierher umgesiedelt worden.

Feuchtgebiete erhalten 
Udo Pelzer ist rund um dem Tagebau Garzweiler tätig im Bereich des Wassermanagements
Braunkohle kann im Rheinland nur im Tagebau, also in einer offenen Grube gewonnen werden. Dafür muss das Grundwasser bis unter die tiefste Stelle abgesenkt werden. An anderen Stellen im Umkreis fehlt dieses Wasser dann jedoch - zum Beispiel in natürlichen Feuchtgebieten. Deswegen muss das Wasser an bestimmten Stellen wieder in den Boden gebracht werden. Das ist die Aufgabe von Udo Pelzer.

Vielfalt durch Ruhe und Mangel 
Ulf Dworschak ist Biologe in der Rekultivierungsabteilung der RWE Power AG
Durch den Abbau von Braunkohle im Tagebau wird die bisherige Landschaft zerstört. Dank der Rekultivierung ist es jedoch möglich, teils eine Fauna und Flora anzusiedeln, die vielfältiger ist als zuvor. So findet Ulf Dworschak auf den rekultivierten Flächen immer wieder Pflanzen, die ihre Heimat hier bereits verloren hatten.

Welt-Technologie aus der Lausitz 
Uwe Burchhardt ist der Projektleiter der Forschungsanlage für ein CO2-emissionsarmes-Kraftwerk 
Weltweit suchen Forscher nach Möglichkeiten, fossile Brennstoffe zu nutzen ohne dabei die Umwelt stark mit Kohlendioxid (CO2) zu belasten. Ein Lösungsansatz ist das sogenannte Oxyfuel-Verfahren. In der Lausitz entsteht momentan eine Forschungsanlage, um diese Technik im Pilotmaßstab zu testen.

Herr der tausend Pumpen und Rohre 
Veit Nessen arbeitet im mitteldeutschen Braunkohlenrevier in der Erkundung und Entwässerung bei der MIBRAG GmbH
Man sieht sie nicht: die großen Wassermassen, die hier pro Minute umgeschlagen werden. Am Rande des Tagebaus Profen liegt die „Zentrale Wasserhaltung“, wie Veit Nessen in seiner Fachsprache dazu sagt. Sein Team von 17 Mann bewegt pro Tag 210000 Kubikmeter Wasser. Das sind allein pro Minute 420 Badewannen voll.