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Herr der tausend Pumpen und Rohre

Veit Nessen arbeitet im mitteldeutschen Braunkohlenrevier in der Erkundung und Entwässerung bei der MIBRAG GmbH

Man sieht sie nicht: die großen Wassermassen, die hier pro Minute umgeschlagen werden. Am Rande des Tagebaus Profen liegt die „Zentrale Wasserhaltung“, wie Veit Nessen in seiner Fachsprache dazu sagt. Sein Team von 17 Mann bewegt pro Tag 210000 Kubikmeter Wasser. Das sind allein pro Minute 420 Badewannen voll.

Auf der Oberfläche sind hier und da ein paar verschiedenfarbige Rohre zu sehen, ab und zu ein Wasserbecken. Erst wenn man quasi in den Keller der Wasserhaltung hinabsteigt, die fünf großen Kreiselpumpen sieht und vor allem hört, bekommt man einen Eindruck von den Mengen, die hier umgeschlagen werden. Jede Kreiselpumpe kann bis zu 16 Kubikmeter Wasser pro Minute transportieren.

Die Kreiselpumpen können ziemlich heiß werden
Die Kreiselpumpen können ziemlich heiß werden

Um überhaupt einen Tagebau aufschließen und schließlich betreiben zu können, ist es notwendig, das im Boden vorhandene Wasser, sowie das Regenwasser aus dem Tagebau fern zu halten. Das bedeutet, der Tagebau muss bis zu seinem tiefsten Punkt durch Brunnen entwässert werden und dieses Wasser muss aus dem Tagebau hinaus transportiert werden. Mittels kilometerlanger Rohre kann es dann dahin geleitet werden, wo man es braucht. Im Fall des Profener Tagebaus geht rund die Hälfte des Wassers über ein weit verzweigtes Rohrleitungssystem in den Raum südlich von Leipzig. Hier werden mit dem Wasser die Restlöcher aufgefüllt, die vom Tagebau geblieben sind. So soll hier nach und nach ein Naherholungsgebiet entstehen. Die ersten der insgesamt 17 Seen sind bereits nutzbar - wie zum Beispiel der Cospudener See oder der Markkleeberger See.

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Unterschiedliche Aufgaben - unterschiedliche Pumpen
Messungen Früher und Heute
Messungen Früher und Heute

Zentrale Steuerung und Überwachung
Ein weiterer Teil des gewonnen Grund- und Oberflächenwassers wird in den Kraftwerken als Prozess-, Brauch- oder Kühlwasser verwendet. Ein kleiner Teil geht sogar in eine eigene Trinkwasseraufbereitung. Damit werden die Betriebsanlagen rund um den Tagebau versorgt. Der Überschuss wird in einen angrenzenden Fluss geleitet. Überwacht wird die Steuerung der rund 300 Pumpen zentral von nur einer Person. Möglich gemacht wird das durch moderne Messtechnik. „Die Daten werden in den Filterbrunnen durch Messsonden erhoben und dann über Lichtwellenleiterkabel und Funk an unsere Zentrale weitergeleitet. Das heißt, wir haben immer ein aktuelles Bild davon, wo wieviel Wasser ansteht“, schwärmt Veit Nessen. „In DDR-Zeiten war das anders. Da wurde die ganze Messarbeit von mehreren Trupps gemacht, die tagein tagaus nur damit beschäftigt waren, den Tagebau abzulaufen und die verschiedenen Daten vor Ort zu messen und zu notieren. Heute weiß ich, was vor Ort los ist, ohne jemanden hin schicken zu müssen.“

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Messungen Früher und Heute
Starker Eisengehalt im Wasser
Starker Eisengehalt im Wasser

Eisen im Wasser – Ein Problem
Das Wasser, das die Bergmänner im Tagebau Profen aus der Erde holen, hat meist einen recht hohen Eisengehalt. „Das ist schon immer ein Problem, weil dieses Eisen im Wasser in den Rohrleitungen ausflockt und uns die Rohre zusetzt“, erklärt Veit Nessen.

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Starker Eisengehalt im Wasser
Ein altes Eisen-Stück wird durch ein neues PE-Rohr ersetzt
Ein altes Eisen-Stück wird durch ein neues PE-Rohr ersetzt

„Mittlerweile verwenden wir fast nur noch Rohre aus Plaste, da ist es nicht ganz so schlimm.“ Die Polyethylen-Rohre haben einen weiteren Vorteil: „Wir müssen mit unseren Rohrleitungen und Pumpen immer mit dem Tagebau mitwandern. Da sind die Kunststoffrohre eine große Erleichterung, weil die einfach umverlegt werden können, ohne dass wir sie jedes Mal neu schweißen müssen. Seine Truppe ersetzt dementsprechend dort, wo es erforderlich ist, die alten „Eisen-Rohre“ gegen die neue „Plaste-Leitungen“.

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Veit Nessen erklärt wie man PE-Rohr schweißt
In der zentralen Wasserhaltung
In der zentralen Wasserhaltung

Wasser = respekteinflößendes Element
Schon als Stift hat Veit Nessen gerne mit Wasser gespielt: Bäche umleiten, kleine Stauseen mit Freunden konstruieren - das hat ihm schon immer Spaß gemacht. Aber zu sagen, dass er deswegen bei der Entwässerung gelandet ist, wäre falsch. Klar ist jedoch, dass bei seiner Berufsentscheidung seine Mutter eine starke Rolle gespielt hat. Sie war in der DDR eine der wenigen Schlosserinnen in der Braunkohle. „Meine Mutter war nicht nur Schlosser auf dem Papier, sondern hat auch als Schlosserin gearbeitet“, sagt er. In den Ferien ist der dann mal mit seiner Mutter mitgegangen. Später als Jugendlicher hat er sich als Ferienarbeiter ein paar Mark dazu verdient. Nur konsequent, dass er später auch seine Ausbildung in der Braunkohle gemacht hat. Obschon er viele Jahre Berufserfahrung in der Entwässerung sammeln konnte und trotz seines Wissens über Wasser hat er nach wie vor hohen Respekt vor seinem Gegenspieler: „Wenn jemand versucht, das Wasser zu beherrschen - zu brechen, dann gelingt das nicht. Aber es eindämmen und leiten, das können wir.“

(Stand: Februar 2008) 

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Veit Nessen beschreibt sein Verhältnis zum Wasser

Vita:
Nach der Polytechnischen Oberschule begann Veit Nessen 1978 eine Lehre als Instandhaltungsmechaniker im Braunkohlekombinat Erich Weinert Deuben. Auf Grund guter Leistungen konnte er 1980 seine Lehre frühzeitig beenden. 1983 kam er zur Entwässerung in den Tagebau Profen.  Von 1986-1988 qualifizierte er sich weiter und machte seinen Meister in Bergbautechnologie. Seit der Wende 1989 ist Veit Nessen als Steiger Rohrleitungsbau und Wasserhaltung in den Tagebauen der  MIBRAG GmbH  tätig und führt ein Team von 17 Männern.