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Feuchtgebiete erhalten

Udo Pelzer ist rund um dem Tagebau Garzweiler tätig im Bereich des Wassermanagements

Braunkohle kann im Rheinland nur im Tagebau, also in einer offenen Grube gewonnen werden. Dafür muss das Grundwasser bis unter die tiefste Stelle abgesenkt werden. An anderen Stellen im Umkreis fehlt dieses Wasser dann jedoch - zum Beispiel in natürlichen Feuchtgebieten. Deswegen muss das Wasser an bestimmten Stellen wieder in den Boden gebracht werden. Das ist die Aufgabe von Udo Pelzer.

Udo Pelzer inspiziert einen Sickerschlitz
Udo Pelzer inspiziert einen Sickerschlitz

Für normale Flächen wie Gärten, Äcker oder Wälder ist die Absenkung des Grundwassers meist kein Problem. Denn die Pflanzen, die hier wachsen, holen ihr Wasser aus der obersten Bodenschicht, der Lößlehmschicht. Anders sieht es jedoch bei Feuchtgebieten und Mooren im Bereich der Fluss- und Bachniederungen aus. Hier können die Pflanzen und Tiere ohne das Grundwasser, das dort an die Oberfläche tritt, nicht leben. Fehlt es, können solche einzigartigen Ökosysteme beschädigt werden.

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Feuchtgebiete erhalten
Ein Sickerbrunnen
Ein Sickerbrunnen

Ein Gürtel aus Versickerungsanlagen 
„Damit dies nicht geschieht, muss quasi um den Tagebau herum ein Gürtel aus Stellen aufgebaut werden, an denen Wasser wieder in den Boden versickern kann, um so den Grundwasserspiegel zu stützen“, erklärt Udo Pelzer. „Um das Wasser wieder in den Boden zu bringen, benutzen wir hauptsächlich sogenannte Sickerschlitze und Sickerbrunnen.“ Die Sickerschlitze sind rechteckig, in der Regel 40 Meter lang, ca. einen Meter breit und sechs Meter tief, nach unten sind sie offen. Diese künstlich geschaffenen Schlitze sind mit Kies gefüllt. Sickerbrunnen haben einen Durchmesser von ca. einem Meter und sind meist 20 bis 30 Meter tief. Sickerbrunnen sind also bedeutend tiefer als Sickerschlitze und werden dort eingesetzt, wo die durchlässigen Bodenschichten erst in größerer Tiefe vorliegen, und dementsprechend das Wasser erst tiefer in den Boden transportiert werden muss und erst dort versickern kann. Über Rohrleitungen wird das Wasser zu den Versickerungsanlagen transportiert, das dann über die verkiesten Flächen den Weg in den Boden findet. Beide Bauten sind oben mit Betonplatten verschlossen, so dass sie keine Gefahr für Mensch oder Tier darstellen.

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Riegel aus Versickerungsanlagen
Um Feuchtgebiete wie dieses geht es
Um Feuchtgebiete wie dieses geht es

Quelltöpfe und Sohlschwellen 
Die Sickerschlitze sind den Feuchtgebieten vorgelagert, sie befinden sich meist in ein bis zwei Kilometern Entfernung. „In den Feuchtgebieten selbst haben wir noch die Möglichkeit, mit sogenannten Quelltöpfen und Direkteinleitungen Wasser in den Boden zu bringen oder unmittelbar in Bäche einzuleiten. Im Endeffekt können Sie sich das wie eine künstliche Quelle vorstellen“, erläutert Udo Pelzer. Eine weitere, recht einfache, Möglichkeit Wasser zu verteilen sind die Sohlschwellen. „Das sind einfache Holzplanken, die in einen Bach- oder Flussverlauf eingebaut werden, das Wasser aufstauen und so in die Breite flächig verteilen“.

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Natürlichen Grundwasserspiegel wieder herstellen
Udo Pelzer im Gespräch mit einem Mitarbeiter
Udo Pelzer im Gespräch mit einem Mitarbeiter

Natürlichen Grundwasserspiegel imitieren 
„Unser Ziel ist es, das natürliche Verhalten - den natürlichen Grundwasserspiegel wiederherzustellen oder zumindest zu imitieren. Das heißt natürlich auch, dass wir darauf achten müssen, die richtige Menge Wasser in den Boden zu bringen“ Deswegen wird die Versickerung über Messpunkte (Pegelstände) regelmäßig kontrolliert. „Da der Tagebau sich fortwährend seitlich wie auch in die Tiefe bewegt, muss auch die Versickerung des Wassers flexibel handhabbar sein“, erläutert Udo Pelzer. „Momentan lassen wir pro Jahr rund 65 Millionen Kubikmeter Wasser in die Erde versickern. Wenn der Tagebau seine maximale Tiefe erreicht haben wird, ungefähr im Jahr 2030, werden es rund 100 Millionen Kubikmeter sein.“ 

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Flexibles System

Zum Vergleich: Eine Stadt wie Köln hat einen Jahresverbrauch von 79 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Ökomaßnahmen zur Erhaltung der Feuchtgebiete müssen schonend vor allem aber nachhaltig erfolgen. Daher ist sich Udo Pelzer sicher: „Wir werden noch bis weit über die Mitte des Jahrhunderts Wasser in den Boden leiten. Wenn der Tagebau schon lange ausgekohlt sein wird, werden wir noch unsere Brunnen und Schlitze hier betreuen“.

(Stand: September 2007) 

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Lange Zeiträume

Vita:
Udo Pelzer wurde 1961 in Köln geboren und ist seit 31 Jahren in der Braunkohle tätig. Begonnen hat er mit einer Ausbildung zum Bergvermessungstechniker. Anschließend ging er in die Planungsabteilung und betreute die Tagebaue Bergheim und Fortuna-Garsdorf von der Konzeption bis zur Rekultivierung. 1998 wechselte er in den Bereich der Wasserwirtschaft. Aktuell ist er im Bereich des Gewässerbau und der Ökomaßnahmen im Nordraum des Tagebaus Garzweiler II für die RWE Power tätig. Dort ist er für die Versickerungsmaß-nahmen zuständig, um den Einfluss der Sümpfung auszugleichen. Udo Pelzer ist verheiratet und hat zwei Kinder.