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Nur Kiefer allein ist langweilig

Olaf Hanspach ist Revierförster in der Lausitz beim Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG 

Olaf Hanspach sieht so aus, wie man sich einen traditionellen Förster vorstellt: gebräunte Haut, buschiger Schnäutzer und grüne Filzmütze auf dem Kopf. Seine Aufgaben und Methoden allerdings sind von heute. So versucht der 46jährige auf den rekultivierten Flächen in der Lausitz, von der jahrzehntelangen Monokultur Kiefer wegzukommen.

Beim Vermessen des Holzes
Beim Vermessen des Holzes

Wie Soldaten in einem nicht enden wollenden Block, stehen auf vielen ausgedehnten Flächen in der Lausitz Kiefern neben Kiefern. Ausschließlich Kiefern. Früher dachte man, der karge Boden hier ließe kaum andere Nutzungsformen zu als den genügsamen Nadelbaum. Dementsprechend waren Brände keine Seltenheit. „Die Bäume standen dicht beieinander und eine Monokultur hat einem Brand nicht viel entgegenzusetzen“, weiß Olaf Hanspach Revierförster in der Lausitz.

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Forstwirtschaftliche Ziele
Nicht nur Kiefer – hier ein Blutahorn
Nicht nur Kiefer – hier ein Blutahorn

Von der Monokultur zum Mischwald
Auf mehr als der Hälfte des rekultivierten Bodens im Braunkohlerevier Lausitz, wird Wald gepflanzt. „Nur dass heute nicht mehr die gleichen Fehler gemacht werden, wie vor hundert Jahren“, ergänzt Olaf Hanspach. „Wir wollen die Natur wieder so entstehen lassen, wie sie hier mal gewesen ist. Heißt: Abwechslung im Wald schaffen, nicht nur Kiefer pflanzen.“ Dementsprechend achtet der Förster darauf, jetzt Waldgebiete anzupflanzen, in denen sich die Baumarten abwechseln. Es werden Streifen von Laubholz zwischen Kiefern gepflanzt. Die wirken bei einem potentiellen Brand wie eine natürliche Barriere. Dazwischen werden Wasserstellen geschaffen und ein dichtes Wegenetz, damit man das Feuer, wenn es mal brennen sollte, wieder in den Griff bekommt. Ein weiterer Vorteil: kleinere und abwechslungsreichere Waldflächen bieten weniger Angriffsfläche für schädliche Insekten.

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Das Spezifische der forstwirtschafltichen Rekultivierung in der Lausitz
Olaf Hanspach inmitten geschnetzelter Stämme
Olaf Hanspach inmitten geschnetzelter Stämme

Alles wird verwertet 
Aber es ist nicht nur die Aufgabe von Olaf Hanspach, rekultivierte Fläche wieder aufzuforsten. Bevor die Braunkohle gewonnen werden kann, müssen die Bäume weichen, die über der Kohle stehen. Die langen Stämme würden Bagger wie Transportbänder beschädigen, dementsprechend müssen sie bereits im Vorfeld abgeholzt werden. Die anfallenden Stämme, es werden pro Jahr ca. 100 Hektar geschlagen, werden verkauft. Die anderen Teile des Baumes, wie Kronenholz und „Stuppen“, so nennen die Lausitzer die Wurzelballen, werden klein gehackt und getrocknet. Im Biomasse-Heizkraftwerk in Sellessen werden so pro Jahr 26.000 Tonnen Holzhackschnitzel umweltfreundlich zu Fernwärme und Storm verbrannt.

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Alles wird verwertet
Olaf Hanspach pflegt seine jungen Bäume
Olaf Hanspach pflegt seine jungen Bäume

Freiheit im Forst
Auf seinen Beruf angesprochen kann man Olaf Hanspach in der Tat ansehen, dass es sich um seinen Traumberuf handeln muss: „Ich habe die einmalige Chance, meine eigenen Ideen zu verwirklichen und selber Wald zu gestalten. Das kann ein anderer Revierförster nur selten. Der freut sich, wenn er mal fünf Hektar neu aufforsten kann, weil dort der Wind die Bäume umgerissen hat. Für mich ist das Tagesgeschäft. Ich forste in Spitzenzeiten etwa 100 Hektar in einem Jahr auf.“ Wenn Olaf Hanspach von „seinem“ Wald spricht, kling es fast väterlich. Sein Traum: „Ich hoffe, dass meinem Wald nichts passiert und dass, wenn er einmal groß geworden ist, die Menschen ihn so lieb gewinnen, wie ich bereits jetzt“.

(Stand: Oktober 2007)

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Flächen gestalten

Vita: 
Olaf Hansbach wollte eigentlich schon immer Förster werden. In der ehemaligen DDR war das zu der Zeit, als er sich nach der Schule für eine Ausbildung entschied, auf Grund seines Wohnortes allerdings nur in einem Internat möglich. Deswegen entschied er sich dagegen und machte aus eher rationalen Gründen eine Ausbildung zum Elektromonteur in „Schwarze Pumpe“. Das war sein erster Berührungspunkt mit der Braunkohle. Doch der Traum Förster zu werden, lies ihn nicht los: Es absolvierte Biologie im Abendstudium. Eine Voraussetzung, um an der TU Dresden für ein forstwirtschaftliches Studium zugelassen zu werden. Nach erfolgreichem Abschluss ging er in den Forstbetrieb Hoyerswerda und wurde schließlich Oberförster. Nach der Wende ergab sich für ihn die Chance, Braunkohle und Wald miteinander zu verbinden. Seit 1992 arbeitet er in der Abteilung Rekultivierung der Vattenfall Europe Mining AG als Revierförster.