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Ein „Jungen-Traum“ für Männer

Bernhard Mainka ist Baggerführer im rheinischen Braunkohlerevier

Sein Arbeitsplatz ist 96 Meter hoch, 225 Meter lang und wiegt fast soviel wie 15.000 VW-Käfer zusammen. Bernhard Mainka, genannt „Bobby“, arbeitet im Tagebau Hambach auf dem größten Bagger der Welt für RWE Power. 13.500 Tonnen mit einer Hand bewegen - Bernhard Mainka kann’s. Wer jedoch denkt, dass der Mann aus Schlesien deshalb nur mit grober Mechanik zu tun hat, liegt falsch.

Im Führerstand
Im Führerstand

Welcher Lärm um ihn herum herrscht, hört man hier kaum. Im Führerstand, umgeben von Glas, in dem Bernhard Mainka als Baggerführer seiner Arbeit nachkommt, ist es erstaunlich still. Nur ab und zu geht ein Ruck durch den ganzen Bagger. Dann hat eine der 18 Schaufeln, von der jede so viel Abraum aufnehmen kann wie ein einzelner LKW, einen großen Stein angebaggert. Auf der fünften Sohle, auf der Mainka und sein Team gerade arbeiten, kommt das häufig vor. Den Abbauplan mit genauen Daten bekommt die Mannschaft des Baggers auf Speicherkarten. Hierauf sind die genauen Positionsdaten abgespeichert und mit Hilfe von GPS kann der Baggerführer seinen aktuellen Standpunkt damit fast zentimetergenau abgleichen. Diese Genauigkeit ist momentan besonders wichtig, denn das Team von Bagger 293 muss derzeit „plan schneiden“. Der Bagger muss den Abraumstoß vor sich sehr präzise bis auf die Sohle abtragen: Schließlich soll sich der schwere Bagger auch künftig sicher auf seiner Arbeitsebene bewegen können.

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Bernhard Mainka informiert über den Bagger
Einsatzbesprechung am Abbauplan
Einsatzbesprechung am Abbauplan

Kontrolle durch Hightech
Der Job in der Glaskanzel erfordert Konzentration. Sonst mit seinen Kollegen scherzend ist „Bobby“ hier voll aufmerksam, sein Gesicht wirkt fast ein bisschen angespannt, seine Augen wachsam. „Das hat jede Menge mit Verantwortung zu tun. In dem Moment, wenn du hier sitzt, läuft der ganze Bagger nur auf dich zu“, sagt Berhard Mainka. Mit zwei Joysticks beherrscht er den gesamten riesigen Bagger. Mit der linken Hand kann er den Bagger vor- oder zurückfahren; mit der rechten kann er den Ausleger schwenken, heben oder senken. Mainka ist umgeben von Kontrollmonitoren und Anzeigen. Er kann die Bänder überwachen, auf denen der Abraum transportiert wird, sieht wie viel Strom der Bagger verbraucht, auf einer Meldetafel kann er erkennen, wann wo welche Störung auftritt und schließlich hat er stets das Wichtigste im Blick: die aktuelle Fördermenge. Die muss stimmen, sonst kommt der ganze Tagebau in Verzug. Schließlich wird die Kohle für die Kraftwerke und für die Stromversorgung gebraucht.

Bernhard Mainka dem jungen Kollegen Frank Breuer
Bernhard Mainka dem jungen Kollegen Frank Breuer

Bergbau liegt in der Familie
Bereits Mainkas Vater hat im Bergbau gearbeitet, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Schlesien. 1978 emigrierte die gesamte Familie in den Westen. Hier angekommen, absolviert Mainka zuerst einen Deutschkurs. Heute hört man den sanften schlesischen Einschlag nur noch selten. Über einen Onkel kam der 16jährige dann zu Rheinbraun, so der ehemalige Name des Unternehmens, das für die Braunkohlegewinnung im rheinischen Revier zuständig war, heute ein Teil von RWE Power. Nach seiner Zeit als „Jungwerker“, wie die ungelernten Kräfte im Unternehmen damals genannt wurden, hat sich Mainka Schritt für Schritt hochgearbeitet: erst „Jungwerker“, nach drei Jahren bei der Vermessung begann er die Ausbildung zum Grossgeräteführer; seit 1983 arbeitet er als Baggerführer, seit kurzem ist er stellvertretender Gruppenleiter.

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Frank Breuer erklärt den „Reiz der Technik“
„Bobby“ mit seinen Kollegen
„Bobby“ mit seinen Kollegen

Arbeiten im Team
Wenn der Chef nicht da ist, heißt das für Mainka, dass er für die Arbeit des ganzen Teams verantwortlich ist. Die Männer auf Bagger 293 akzeptieren ihn. Er muss selten Anweisungen geben, das Team ist eingespielt, jeder weiß, was zu tun ist. Den meisten macht die Arbeit im Bagger einfach Spaß. „Das ist wie einen Jungen-Traum, den Du jeden Tag ausleben kannst“, sagt Mainka. Dennoch machen sich einige der Männer in letzter Zeit Gedanken um ihren Job. Ein Kollege, der schon seit 20 Jahren im Tagebau arbeitet, sieht keine Zukunft in der Braunkohle. „Meinem Sohn würde ich nicht zu meinem Job raten. Man weiß nicht genau, wie das in der Politik weitergeht.“ Der Jüngste im Team, der heute die Beladung fährt, ist hingegen zuversichtlich, „alle wollen Strom und wenn jetzt alle auf Naturstrom umsteigen, dann reicht das nicht aus; ohne Braunkohle geht’s eben nicht“.

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Bernhard Mainka beschreibt seine Rolle als „Kapitän“
Berhard Mainka bleibt so lange vor Ort bis die Ablösung da ist
Berhard Mainka bleibt so lange vor Ort bis die Ablösung da ist

Ablösung vor Ort
Bei Schichtende trifft sich die Mannschaft unten am Fuß des Baggers. Bernhard Mainka allerdings wird direkt an seinem Arbeitsplatz abgelöst. Er darf erst gehen, wenn der Baggerführer aus der nächsten Schicht in der Glaskanzel angekommen ist. So wird der Abbau nicht unterbrochen. Unten, kurz bevor alle in den Jeep einsteigen, um Duschen zu fahren werden noch ein paar Witze erzählt - einige davon nicht ganz jugendfrei. Bernhard Mainka lacht schallend mit. Danach steigen die Männer in den weißen Jeep und fahren Richtung Feierabend. In sechzehn Stunden sitzt „Bobby“ wieder auf dem Führerstand des Baggers 293 im Tagebau Hambach. 

(Stand: Juni 2007)

Vita:
Bernhard Mainka wurde 1962 in Schlesien geboren. 1978 kam er in die Bundesrepublik Deutschland. 1979 ging er zur damaligen Rheinbraun, heute ein Teil von RWE Power. Seit 1983 arbeitete auf verschiedenen Baggern. Seit Herbst 1989 ist er sogenannter „Grossgeräteführer“ und darf seither Bagger steuern. Auf dem Bagger 293 arbeitet er seit 1999. Er ist verheiratet und lebt in der Nähe von Köln.