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Von der Lehrwerkstatt auf den Bagger

Alexander Treber macht eine Lehre als Elektroniker bei der MIBRAG mbH im Mitteldeutschen Revier

Er muss früh raus. Meistens beginnt der Tag für Alexander Treber so gegen halb fünf - da schlafen die meisten noch fest. Dafür lernt der 22jährige momentan auf einer der größten Maschinen der Welt: auf einem Schaufelradbagger. Hier einen Teil der Ausbildung zu machen, ist schon etwas Besonderes.

Alexander ist heute mit seinem Kollegen David Pemsel unterwegs. Der hat bereits ausgelernt und betreut Alexander, der jetzt im dritten Lehrjahr ist. Wenn die beiden am frühen Morgen den Bagger betreten, bleibt der nicht extra stehen und wartet, bis die beiden an Bord sind. Der Bagger ist ständig in Bewegung. Alles andere wäre unwirtschaftlich. Vor allem die Schwenkbewegung von links nach rechts ist ungewohnt. „Das fühlt sich so ein bisschen an, als ob man auf einem Schiff ist“, sagt Alexander. Nicht ganz ohne, wenn man das nicht gewohnt ist.

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Alexander erklärt die E-Räume auf dem Bagger
Im E-Raum
Im E-Raum

Das ständige Hin- und Her macht ihm heute nichts mehr aus. Am Anfang war es schon eine Umstellung: „Als ich die erste Woche auf den Bagger war - meine Güte, da war mir schon teilweise ein bisschen mulmig.“ Außerdem müssen die Eklektiker auf dem Bagger natürlich stärker auf ihre Sicherheit achten als in der Lehrwerkstatt. „Man muss ungeheuer aufpassen. Viele Arbeiten kann man nur einhändig machen, weil man sich mit der anderen Hand festhalten muss.“ In der Lehrwerkstatt, in der Alexander die erste Zeit seiner Ausbildung verbracht hat, war das natürlich anders. Da konnte man in Ruhe an stehenden Installationswänden üben und lässig mit beiden Händen schrauben.

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Die erste Woche auf dem Bagger
Arbeiten bei laufendem Betrieb
Arbeiten bei laufendem Betrieb

Montage während laufendem Betrieb
Heute wollen die beiden Elektroniker einen Scheinwerfer in der Nähe des Fahrerstandes montieren. Der Bagger läuft immer - auch nachts und bei schlechtem Wetter, da kann man so einen Scheinwerfer schon gut gebrauchen. Zuerst müssen die beiden ein Stromkabel ziehen. Das kann allerdings nicht einfach so verlegt werden, das wäre zu gefährlich. Vorher müssen Rohre zurechtgeschnitten werden, welche das Kabel schützen. Schließlich soll noch ein Schalter für den Scheinwerfer montiert werden. „Wenn wir wie jetzt auf dem Bagger unterwegs sind und vor Ort arbeiten, müssen wir aufpassen, dass wir nichts verlieren. Das Einzige, worauf wir hier in einer Höhe von teilweise 30 bis 40 Metern stehen ist das Industriegitter. Aber das hat große Zwischenräume. Wenn Dir hier zum Beispiel Dein Schraubenzieher runterfällt, dann ist der weg. Den findest Du unten im Sand nie mehr wieder.“

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Sicherheit ist das wichtigste Gebot – vor allem für Elektriker Azubis
David Pemsel und Alexander auf Störungssuche
David Pemsel und Alexander auf Störungssuche

Störungssuche via Computer
Ganz oben auf dem Bagger, auf der entgegengesetzten Seite des Schaufelrades, liegt der Schaltraum. Hier laufen alle wichtigen elektrischen Verbindungen zusammen. Auf einer Computergrafik sind alle Bauteile des Baggers zu sehen. „Diese Graphik zeigt uns an, was sich momentan bewegt und ob auch alles so läuft, wie es soll. Wenn eine Störung vorliegt,  können wir mit dem Programm genau zurückverfolgen, wo und an welcher Stelle was passiert. Man kann quasi sagen: Das ist das Gehirn vom Bagger.“ Während Alexander Treber die ausgefeilte Elektronik erklärt, kommt plötzlich ein Funkspruch vom Baggerführer. Das GPS sei ausgefallen. Das braucht der Baggerführer, um dem Abbauplan folgen zu können. Nach einem kurzen Blick auf den betreffenden Computer weiß Alexander schnell, dass in der Tat kein Signal ankommt. Der Fehler liegt aber nicht bei ihnen, sondern am GPS-Signal, das fällt schon mal aus. Nach ein paar Minuten ist das Signal wieder da.

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David Pemsel erklärt die Visualisierung, Alexander ergänzt

Engagement in der Jugendvertretung 
Seit eineinhalb Jahren ist Alexander Treber aktives Mitglied in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). „Das ist so etwas wie ein Betriebsrat für die jungen Leute im Betrieb“, erklärt er. „Wenn einige unserer Kollegen mit ihren Ausbildern nicht zu Recht kommen, können sie uns um Rat fragen. Wir versuchen dann zu vermitteln.“ Außerdem nimmt Alexander, der für zwei Jahre gewählt ist, an Betriebsratsitzungen teil und kann dort zum Beispiel über Neueinstellungen mit abstimmen. Jedes Jahr vor der großen Betriebsruhe im Sommer findet ein Sportfest statt. Das wird von der JAV mitgestaltet. Dann kommen die Kumpel im Mitteldeutschen Revier zusammen und die Kollegen von Vattenfall und MIBRAG messen sich gegenseitig im Fußballspielen.

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Alexander beschreibt, wie er zur JAV gekommen ist
Bei sonnigem Wetter ganz oben auf dem Bagger
Bei sonnigem Wetter ganz oben auf dem Bagger

Noch ein Jahr Azubi 
Insgesamt bleibt Alexander ein halbes Jahr auf dem Bagger. Danach geht es in einen anderen Bereich im Betrieb, beispielsweise zu einer Netzstation oder einer Bandanlage, vielleicht auch ins Kraftwerk. Wo er landen wird, weiß er jetzt noch nicht. Wenn alles gut läuft, wird er in einem Jahr seine Ausbildung abgeschlossen haben. Natürlich hofft er darauf übernommen zu werden, wie seine älteren Kollegen. Am Ende des Tages muss der Auszubildende noch die „Lizzy ausführen“, so hatte es ihm der Meister vor Schichtbeginn am Morgen aufgegeben. Das ist die romantische Umschreibung des Vorgesetzten für „den Schaltraum kehren“. „Ja, elektronische Anlagen müssen peinlichst sauber gehalten werden“, bestätigt Alexander Treber. Also greift er zum Besen und legt los. Auch das gehört zu den Aufgaben eines Azubis. 

(Stand: Februar 2008)

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Morgens mal ausschlafen, das wäre schön!

Vita:
Alexander Treber ist 1985 geboren. 2004 hat er sein Abitur in Hohenmölsen absolviert und danach seinen Zivildienst bei der Caritas als Behindertenpfleger angetreten. Seit September 2005 arbeitet er als Auszubildender Elektroniker für Betriebstechnik bei der MIBRAG GmbH. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball, kümmert sich um seine Freundin oder sein Auto. Wenn alles weiter so gut läuft wie bisher, hat er im Februar 2009 ausgelernt.